Wieder Demo in Browntown (Ohrdruf bei Gotha)

Zum 21.März hatten die Nazis um das „Bündnis Zukunft Landkreis Gotha“ (BZLG) zu einer Demonstration aufgerufen. Hierfür hatten sie eine rhetorisch besonders anspruchsvolle Perle vorbereitet. In Flugblättern erklärten sie, ihrer eigenen Muttersprache fremd, warum es wichtig ist gegen die geplante Unterkunft von Geflüchteten zu demonstrieren. Warum die bucklige Ohrdrufer Teutonenbande etwas gegen die Geflüchteten hat, begründeten sie ja schon mit „Weil wir die hier nicht brauchen“, und genau so versteht sich auch deren Aufruf. Keine Inhalte, keine Gründe, nur dumme Ressentiments und Rechtschreib- und Grammatikfehler. Apropos keine Inhalte, die selbe eben benannte Bande um das BZLG, welche zur Demonstration am 18.4. nach Gotha aufruft, hat sich gleich den Aufruf gespart. Da Rassismus nicht logisch verteidigt werden kann lassen sie es einfach gleich und gehen in die nächste Phase über, stumpfer Populismus gegen alles vermeintlich Fremde.

Am 21. März fand also in Ohrdruf die zweite Demonstration gegen die Unterbringung von Geflüchteten statt. Zur besten Kaffeezeit um 3 Uhr Nachmittags versammelten sich etwa 50 Rassisten auf dem Marktplatz der Kleinstadt im Landkreis Gotha. Rund um den zentral gelegenen Platz fanden sich nur recht wenig Menschen ein, um das Schauspiel zu begutachten.

Die Teilnehmer_innen der Veranstaltung stammten zum großen Teil aus der Neonaziszene, nur wenige „besorgte Bürger“ schlossen sich der Kundgebung mit anschließender Demonstration an. Die Kameradschaft „Bündnis Zukunft Landkreis Gotha“ dominierte die „Pro Ohrdruf“-Veranstaltung, gut erkennbar am einheitlichen Kapuzenpulli und den zwei schwarz-weiß-roten Fahnen mit Aufdruck des Kameradschaftsnamens. Andernorts haben die Neonazis zur aktuellen Deutschland-Fahne gewechselt, in Suhl werden die schwarz-weiß-roten Fahnen ans Ende des Demozuges verbannt, aber in Ohrdruf dürfen sie den überschaubaren Tross anführen. Da ticken die Uhren eben etwas langsamer…

Marco „Die Krücke“ Zint durfte im Lauti mitfahren, Inklusion körperlich Behinderter hat also mittlerweile auch im sonst so chauvinistischen, leistungsorientierten und menschenverachtenden Teil der Gesellschaft Einzug gehalten. Da hat Marco also noch mal Glück gehabt, dass er als überflüssiger Nutznießer des „gesunden Volkskörpers“ noch mitspielen darf.

Ebenso wie die Teilnehmerzahl im Vergleich zur ersten Demo stark zurückgegangen ist, so hat sich auch der Redeanteil minimiert. Angekündigt war die AfD-Ausgeburt Heiko Bernardy, der sich jedoch entschuldigen ließ. Die Rhetoriker aus Ohrdruf haben wohl erkannt, dass sie die brillanten Reden der ersten Demo unmöglich toppen können und beschränkten sich auf das Verlesen der Auflagen und einige kurze knappe Sätze. Die patriotischen Arnstädter waren auch wieder da und erzählten Gruselgeschichten aus ihrer Heimat. Das offene Bürgermikrofon ist dann genauso gefloppt, ein Nazi und eine Rassistin gaben noch je einen Satz zum Abschied zum Besten.

Eine erste Analyse zum Einknicken der Teilnehmerzahl lieferte „Pro Ohrdruf“ gleich auf der Abschluss-Kundgebung: Es lag wohl am Tageslicht. Entweder wir haben es in Ohrdruf mit Vampir-Rassisten zu tun, oder einige der Asyl-Gegner haben dann doch Berührungsängste zur militanten Neonaziszene.
Die nächste Demo wurde auch schon angekündigt (ohne Termin), es bleibt zu hoffen dass die Anti-Asyl-Proteste so nach und nach abebben. Die Einstellung dieser Menschen wird jedoch bleiben. Alles in allem keine guten Voraussetzungen für die Unterbringung von Flüchtlingen.